Die Formel-1-Saison 1999 markierte den wohl lautesten Einstieg eines neuen Teams in die Geschichte der Königsklasse: British American Racing, kurz BAR. Mit einem gigantischen Budget des Tabakkonzerns British American Tobacco, einer aggressiven Marketingkampagne („A Tradition of Excellence“ – bevor sie einen Meter gefahren waren) und dem Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve als Aushängeschild, wollte man die Formel 1 revolutionieren. Teamchef Craig Pollock formulierte das Ziel, vom ersten Rennen an Siege zu erringen.
Doch die Realität wurde zu einer der größten Blamagen des modernen Motorsports. Besonders schmerzhaft wurde diese Blamage durch den direkten Vergleich mit dem kleinsten Team im Feld: Minardi.
BAR 001: Viel Geld, viel Lärm, keine Ankunft
Der BAR 001, angetrieben von einem eigentlich soliden Supertec-V10-Motor (einem umbenannten Renault-Motor aus der Saison 1997), war auf dem Papier ein Mittelfeld-Auto. Im Qualifying zeigte der Wagen oft Potenzial und Villeneuve stellte ihn regelmäßig in die Top 10. Doch im Rennen fiel der Bolide buchstäblich auseinander.
Die Zuverlässigkeit war katastrophal. Jacques Villeneuve stellte einen traurigen Rekord auf: Er schied in den ersten elf Rennen der Saison in Folge aus. Meist waren es Getriebeschäden, Elektronikdefekte oder lose Teile, die den Kanadier stoppten. Das Team wirkte arrogant – symbolisiert durch den Versuch, mit zwei verschiedenen Lackierungen zu starten, was die FIA verbot (weshalb BAR mit dem berühmten „Reißverschluss-Design“ fuhr) – und technisch überfordert.
Minardi: Das Wunder aus Faenza
Im krassen Gegensatz dazu stand Minardi. Das kleine italienische Team operierte mit einem Bruchteil des BAR-Budgets (geschätzt etwa 10 % der BAR-Mittel). Der Minardi M01 war technisch veraltet und untermotorisiert (mit einem alten Ford Zetec-R V10). Doch was dem Team an Geld fehlte, machte es durch Herzblut und Organisation wett. Die Fahrer Luca Badoer und Marc Gené wussten, dass sie aus eigener Kraft Letzte werden würden. Ihre einzige Chance war die Zuverlässigkeit und das Ausnutzen des Chaos.
Der direkte Vergleich: Imola und Nürburgring
Zwei Rennen verdeutlichen die Groteske der Saison 1999 besonders:
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Imola (Großer Preis von San Marino): Beim Heimrennen von Minardi zeigte sich das erste Mal das wahre Kräfteverhältnis in puncto Standfestigkeit. Während Jacques Villeneuve und sein Ersatz-Teamkollege Mika Salo (der den verletzten Ricardo Zonta vertrat) beide mit technischen Defekten ausfielen, kämpfte sich Luca Badoer im Minardi tapfer durch. Er beendete das Rennen auf einem sensationellen achten Platz. Damals gab es dafür noch keine Punkte (nur Top 6), aber es war ein moralischer Sieg.
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Nürburgring (Großer Preis von Europa): Hier fiel die Entscheidung im Duell der Giganten gegen die Zwerge. In einem chaotischen Regenrennen schieden die BAR-Piloten erneut aus (Zonta durch Unfall, Villeneuve durch Kupplungsschaden). Minardi hingegen blieb cool. Marc Gené hielt den Wagen auf der Strecke und holte als Sechster einen WM-Punkt. Es war der erste Punkt für Minardi seit 1995.
Die Abrechnung
Am Ende der Saison 1999 stand ein Ergebnis in den Geschichtsbüchern, das für BAR beschämender nicht hätte sein können:
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Minardi: 1 WM-Punkt (Platz 10 der Konstrukteurs-WM, vor BAR).
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BAR: 0 WM-Punkte (Platz 11, Letzter der Konstrukteurs-WM).
Obwohl BAR im Qualifying im Schnitt 1,5 bis 2 Sekunden schneller war als Minardi, verloren sie das Duell, das wirklich zählte. Die Saison 1999 bleibt eine ewige Mahnung in der Formel 1: Man kann sich Geschwindigkeit kaufen, aber keine Zuverlässigkeit und keine Seele. Minardi hatte in diesem Jahr vielleicht das langsamste Auto, aber sie hatten das effizientere Team. Für Craig Pollock und Jacques Villeneuve war es eine Lektion in Demut, die sie nie vergessen sollten.
Wir sind ein bisschen wie Minardi …
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