Es ist der wohl überraschendste Name auf der Startliste der Saison 2026: „TGR Haas F1 Team“. Wenn am 19. Januar der neue VF-26 enthüllt wird, sehen wir das Ergebnis einer spektakulären Allianz. Das kleinste Team der Formel 1 hat geschafft, wovon andere träumen: Es hat den Giganten Toyota zurück in die Königsklasse geholt. Doch anders als bei Toyotas erstem, teuren Abenteuer, diktiert diesmal die amerikanische Effizienz den Weg – mit einem Ferrari im Heck und japanischer Präzision im Windkanal.

Die Geschichte des Haas F1 Teams wurde oft falsch erzählt. Man reduzierte sie auf die „Ferrari-Kopie“. Doch das wird der Leistung von Gene Haas nicht gerecht. Haas ist das Team, das 2016 aus dem Stand in die Punkte fuhr – eine Leistung, an der drei andere neue Teams (Caterham, HRT, Manor) zuvor krachend gescheitert waren. Haas ist das Team, das trotz Sponsoren-Dramen (Rich Energy, Uralkali) überlebte und 2022 in Brasilien sensationell auf der Pole Position stand. Mit dem VF-26 beginnt nun die dritte Ära des Teams. Die Ferrari-Partnerschaft bleibt als technisches Fundament bestehen, doch die strategische Zukunft trägt die Farben von Toyota Gazoo Racing.


Teil 1: Toyota kehrt zurück – Die Lehren aus dem Milliarden-Grab

Um die Bedeutung des „TGR“-Logos auf dem neuen Haas VF-26 zu verstehen, muss man in die 2000er Jahre zurückblicken.

Das Trauma (2002–2009)

Toyota stieg 2002 mit dem größten Budget der Formel-1-Geschichte ein. Man baute alles selbst in Köln-Marsdorf. Das Ziel: Die totale Dominanz. Das Ergebnis war ernüchternd. In acht Jahren und nach geschätzten Ausgaben von über 2 Milliarden Dollar holte Toyota keinen einzigen Sieg. Man verwalten sich zu Tode. Die Entscheidungsprozesse zwischen Köln und Japan waren zu träge. 2009, im Zuge der Wirtschaftskrise, zog Toyota den Stecker. Es blieb als das teuerste Missverständnis der F1-Geschichte zurück.

Die neue Bescheidenheit (2026)

Die Rückkehr 2026 ist das genaue Gegenteil. Toyota kehrt nicht als arrogantes Werksteam zurück, sondern als dienender Partner („Technical Partnership“). Toyota nutzt Haas als Plattform, um Ingenieure zu schulen und Technologien zu testen. Im Gegenzug erhält Haas Zugriff auf die Weltklasse-Anlagen in Köln (Windkanal, Simulatoren), die selbst Ferrari-Standards in nichts nachstehen. Es ist eine „Lean Management“-Lösung, die perfekt zur Philosophie von Gene Haas passt.

Teil 2: Haas F1 – Mehr als nur eine „Filiale“

Lange wurde Haas als „Ferrari B-Team“ belächelt. Doch wer genauer hinsieht, erkennt, dass Haas oft cleverer war als die Konkurrenz mit großem Namen (wie Williams oder Sauber).

Das „Haas-Modell“ als Revolution (2016)

Als Romain Grosjean beim Debütrennen 2016 in Australien auf Platz 6 fuhr, war das kein Glück. Es war der Beweis, dass Gene Haas eine Lücke im Reglement gefunden hatte: Die „Listed Parts“. Statt teure Teile schlecht selbst zu bauen, kaufte er gute Teile ein. Das war keine Kopie, das war effizientes Management.

Das Meisterstück (2018)

2018 zeigte Haas sein wahres Potenzial. Mit Platz 5 in der Konstrukteurs-WM schlug man das Werksteam von Renault und die Traditionsmarke McLaren. In Österreich holte man mit den Plätzen 4 und 5 das beste Teamergebnis der Geschichte. Haas war „Best of the Rest“ – nicht nur wegen des Ferrari-Motors, sondern weil das Team operativ fehlerfrei arbeitete.

Die „Pole“ für die Ewigkeit (2022)

Der vielleicht größte Moment der Teamgeschichte war „hausgemacht“. Im verregneten Qualifying von Brasilien 2022 traf das Team die perfekte strategische Entscheidung. Kevin Magnussen ging als Erster auf die Strecke, fuhr die perfekte Runde, dann kam der Regen. Pole Position. Es war der Beweis, dass dieses kleine Team an guten Tagen Riesen ärgern kann.

Teil 3: Der VF-26 – Ein Auto, drei Eltern

Der am 19. Januar präsentierte VF-26 ist ein technisches Unikat im Feld.

  1. Die Basis (Haas & Dallara): Das Konzept und die Rennoperationen liegen in amerikanischer/italienischer Hand.
  2. Der Antrieb (Ferrari): Da Toyota (noch) keinen eigenen F1-Motor baut, bleibt das Herzstück italienisch. Motor, Getriebe und Hinterachse kommen aus Maranello. Das garantiert Zuverlässigkeit im ersten Jahr des neuen Reglements.
  3. Die Aerodynamik (Toyota): Das ist der „Gamechanger“. Früher musste Haas warten, bis Ferrari Kapazitäten im Windkanal frei hatte. Jetzt hat man durch Toyota Priorität und Ressourcen. Der VF-26 ist das erste Haas-Auto, das aerodynamisch komplett eigenständig optimiert wurde.

Fazit

Haas hat sich emanzipiert. Vom reinen Ferrari-Kunden hin zu einem Team, das sich seine Partner aussucht. Mit Toyota an der Seite ist der VF-26 nicht mehr das kleinste Auto im Feld, sondern das effizienteste.

Haas x Toyota Check

VF-26 LAUNCH
2016 Debüt (P6!)
5. WM 2018 (Best)
1 Pole Position
180+ GP Starts

Meilensteine

  • 2016 Punkte beim Debüt (Grosjean)
  • 2018 Best of the Rest (P5 WM)
  • 2022 Sensations-Pole (Magnussen)
  • 2026 Partnerschaft mit Toyota
139 GP Starts (02-09)
0 Siege
13 Podien
3 Poles

Die F1-Achterbahn

  • 2002 Einstieg (Größtes Budget)
  • 2005 P4 in der WM (Trulli/Schumacher)
  • 2009 Ausstieg wegen Finanzkrise
  • 2026 Comeback als Haas-Partner

Das „Frankenstein“-Auto VF-26

  • Team Haas (USA) – Operation & Chassis
  • Aero Toyota (JPN/DE) – Windkanal & Design
  • Power Ferrari (ITA) – Motor & Getriebe
„Das Beste aus drei Welten oder zu viele Köche?“
Der VF-26 kombiniert italienische Power mit japanischer Aero-Präzision.

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